Wir sind ein Schlüsseldienst und schreiben hier auf, wann Sie uns nicht brauchen. Das ist kein Altruismus: Eine Tür, an der schon herumprobiert wurde, ist für uns aufwendiger und für Sie teurer. Der ehrlichere Text ist also auch der nützlichere.
Was tatsächlich funktioniert
Der zweite Zugang. Balkontür, Terrassentür, ein Fenster, das Sie offengelassen haben, die Verbindungstür zum Nachbarbalkon. Das ist in der Praxis der mit Abstand häufigste Fall, in dem sich der Einsatz erübrigt. Prüfen Sie es, bevor Sie zum Telefon greifen — aber klettern Sie nicht. Ein Sturz vom Balkon ist in keiner Rechnung enthalten.
Die Kartenmethode — aber nur im Ausnahmefall. Sie funktioniert ausschließlich bei einer zugefallenen Tür, deren Schlossfalle frei liegt und keine Fallensicherung hat. Das trifft auf alte Innentüren zu und auf sehr alte Wohnungstüren. Bei allem, was in den letzten dreißig Jahren eingebaut wurde, verhindert ein Sperrstift genau das. Erkennen können Sie es daran, ob neben der schrägen Falle ein kleiner zweiter Stift sitzt — wenn ja, funktioniert die Methode nicht.
Wenn Sie es versuchen: eine stabile, aber nicht Ihre Bank- oder Ausweiskarte. Eine alte Kundenkarte, ein Stück Verpackungsplastik. Zwischen Tür und Zarge auf Höhe der Falle einführen, Richtung Schloss schieben und dabei die Tür leicht gegendrücken.
Was nicht funktioniert und Schaden anrichtet
Draht, Büroklammer, Haarnadel. Lockpicking im Film dauert zehn Sekunden, in der Realität ist es ein Handwerk mit Werkzeug, das man übt. Was dabei regelmäßig passiert: Das Metall bricht im Zylinder ab. Dann ist aus der Öffnung ein Zylindertausch geworden.
Gewalt gegen die Tür. Treten, Hebeln, Stemmen. Die Tür gibt selten nach, die Zarge dafür umso öfter. In einer Mietwohnung haften Sie für beides, und keine Versicherung zahlt einen Schaden, den Sie selbst verursacht haben. Eine beschädigte Zarge kostet mehrere hundert Euro — ein Vielfaches des Einsatzes, den Sie sich sparen wollten.
Öl ins Schloss. Bei einem schwergängigen Zylinder ist der Griff zum Kriechöl verständlich und falsch. Öl bindet Staub, verharzt und macht den Zylinder nach einigen Wochen endgültig unbrauchbar. Richtig ist Graphitpulver oder ein ausdrücklich für Schließzylinder gedachtes Spray auf PTFE-Basis.
Das Schloss aufbohren. Mit einer Heimwerkerbohrmaschine zerstören Sie den Zylinder, ohne ihn zu öffnen — Sicherheitszylinder haben gehärtete Stifte genau dafür. Danach muss aufwendiger geöffnet werden als vorher.
Die rechtliche Grenze
Ihre eigene Tür dürfen Sie öffnen. Bei einer fremden Tür — auch der des Nachbarn, auch in guter Absicht — ist das anders: Je nach Lage kommen Hausfriedensbruch oder Sachbeschädigung in Betracht. Steht jemand hilflos in der Wohnung, rufen Sie 112; die Feuerwehr darf das, Sie nicht.
In der Mietwohnung gilt: Was Sie beschädigen, zahlen Sie. Das gilt auch für den Versuch.
Die einzige Vorsorge, die wirklich hilft
Ein Zweitschlüssel bei Nachbarn, Familie oder Freunden in der Nähe. Nicht unter der Fußmatte, nicht im Blumentopf, nicht im Zählerkasten — das sind die ersten drei Orte, an denen nachgesehen wird. Wer einen erreichbaren Zweitschlüssel hat, braucht diesen ganzen Artikel nicht.