Der Begriff klingt nach Boulevard, beschreibt aber ein reales und gut dokumentiertes Geschäftsmodell. Es lohnt sich, es zu verstehen, bevor man es braucht — denn der Moment, in dem man es braucht, ist genau der, in dem man nicht mehr klar denkt.
Wie die Masche funktioniert
Sie beginnt nicht an Ihrer Tür, sondern in der Suchmaschine. Bundesweit agierende Vermittler schalten Anzeigen und legen Seiten an, die wie ein örtlicher Betrieb aussehen — mit Stadtnamen im Titel, oft mit einer Ortsvorwahl und einer Adresse, an der niemand sitzt. Ihr Anruf landet in einem Callcenter. Von dort wird der Auftrag an einen Subunternehmer weitergegeben, der oft aus einer anderen Stadt anreist.
Der Vermittler nimmt eine Provision. Der Subunternehmer bekommt nur den Rest — und holt sich die Differenz vor Ort. Das ist der strukturelle Grund, warum die Rechnung am Ende nicht zum Telefonat passt: Es ist kein Ausrutscher, sondern eingepreist.
Die neun Warnzeichen
- Am Telefon wird kein Preis genannt. Nicht einmal ein Rahmen. „Das sehen wir vor Ort” ist die Ansage, nach der Sie auflegen sollten.
- Keine ladungsfähige Adresse. Im Impressum steht eine Postfachadresse, ein Büroservice oder gar nichts.
- Die Rufnummer passt nicht zur Stadt oder ist eine 0800er, die bundesweit dieselbe ist.
- Der Monteur kommt von weit her. Fragen Sie, aus welchem Ort er kommt. Eine Stunde Anfahrt bedeutet, dass Sie kein örtlicher Betrieb erreicht hat.
- Sofort wird gebohrt. Eine zugefallene Tür wird niemals aufgebohrt. Wer es trotzdem tut, verkauft Ihnen anschließend einen Zylinder.
- Kein Ausweis, keine Berechtigungsprüfung. Ein Betrieb, der nicht prüft, ob Sie dort wohnen, öffnet auch für jeden anderen.
- Posten auf der Rechnung, von denen nie die Rede war — Anfahrtspauschale, Nachtzuschlag, „Spezialwerkzeug”, Entsorgung.
- Nur Bargeld. Notfalls mit Begleitung zum Geldautomaten. Das ist das deutlichste Zeichen überhaupt.
- Druck. „Sonst baue ich das Schloss wieder aus.” Diese Drohung ist leer und je nach Situation selbst strafbar.
Wenn der Monteur schon da ist
Beenden Sie die Arbeit, bevor sie beginnt, wenn Sie mehrere Warnzeichen sehen. Hat er schon geöffnet, gilt:
- Nicht bar zahlen. Bestehen Sie auf einer Rechnung mit vollständigem Firmennamen, Anschrift und Steuernummer. Dazu ist der Betrieb verpflichtet.
- Unter Vorbehalt zahlen, wenn Sie zahlen müssen, um die Situation zu beenden. Schreiben Sie „Zahlung unter Vorbehalt, Rückforderung vorbehalten” auf den Beleg und lassen Sie es gegenzeichnen. Das erhält Ihren Rückforderungsanspruch.
- Fotografieren Sie Fahrzeug, Kennzeichen, Rechnung und die geöffnete Tür.
- Rufen Sie 110, wenn Sie bedroht werden oder man Sie an etwas hindert. Das ist kein Zivilstreit mehr.
Vorher vorsorgen — fünf Minuten, die sich lohnen
Suchen Sie sich heute, nicht im Notfall, einen örtlichen Betrieb und speichern Sie die Nummer im Telefon. Prüfen Sie dabei dreierlei: Steht im Impressum eine echte Adresse in Ihrer Stadt? Gibt es eine Preisliste? Ist eine Handwerksrolleneintragung oder Innungsmitgliedschaft genannt? Hinterlegen Sie außerdem einen Zweitschlüssel bei Nachbarn oder Familie — das ist die einzige Maßnahme, die den Notfall ganz verhindert.
Dieser Beitrag ersetzt keine Rechtsberatung.